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Der Placebo-Effekt: Genauso wirksam wie echte Medikamente?

Placebos und ihre Wirkung

Veröffendlicht auf Rhein-Main-erleben.de am 20.11.2013

Placebo-Effekt


Bildquelle: knipseline / pixelio.de
Placebo-Effekt in der Medizin

Schon lange ist es bekannt, dass es Placebos gibt und diese auch benutzt werden, um beispielsweise einen Patienten ohne unnötige Zufuhr von Wirkstoffen zu versorgen und ihm das Gefühl zu geben, dennoch eine richtige Behandlung zu erfahren. Die Diskussion, ob die Placebos nicht sogar genauso wirksam sind wie die echten Medikamente, indem einfach durch eine gestärkte Psyche der Körper sich selbst besser heilt, wird auch schon seit geraumer Zeit gehalten. Nun gibt es eine Studie, die provokant behauptet, dass die Placebos nicht nur genauso effektiv sein können wie echte Medikamente, sondern auch häufiger eingesetzt werden sollten. Durch sie könne man immerhin außerdem einigen Nebeneffekten vorbeugen, die echte Medikamente mit sich bringen können.

Die Verfasser der Studie, ein Team der Oxford University, stellen damit genau das Gegenteil einer anderen, zuvor durchgeführten Studie der Cochrane-Gruppe dar. Letztere kam bei ihrer Studie nämlich zu dem Ergebnis, dass Placebos weitgehend ohne therapeutische Wirkung blieben.

Die Frage, was denn nun stimmt, bleibt derweil trotz Studien offen. Fakt ist nur, dass mehr Ärzte häufiger auf Placebos zugreifen, als vielleicht allgemein angenommen wird. So hat eine Umfrage ergeben, dass 88 aller Ärzte Deutschlands mindestens einmal in ihrer Laufbahn ein Placebo verschrieben haben, weitere 76 % wiederum circa zwanzigmal im Jahr unreine Placebos verwenden, weil der Patient ein Medikament erwarte und ein psychologischer Effekt ihrer Meinung nach eintrete. (Unreine Placebos sind dabei solche, die zwar Wirkstoffe enthalten, diese aber vom Arzt als nicht wirkend eingestuft werden, während reine gar keine Wirkstoffe enthalten.)

Interessant ist zudem, dass diese Ärzte offen sagen, dass sie es für ethisch gerechtfertigt halten, wenn sie ein Placebo verschreiben, und tatsächlich geschieht dies in der Regel auch mit guter Absicht, zum Beispiel um eben bei kleinen Beschwerden vor unnötiger Zufuhr von Wirkstoffen zu schützen. Jedoch könnte auch der Fall eintreten, dass der Patient eigentlich ein richtiges Medikament bräuchte und das Placebo eine rechtzeitige Bekämpfung der Krankheit verhindert, außerdem ließe sich diskutieren, ob denn eine Lüge bei einem Vertrauensverhältnis wirklich ethisch vertretbar sei, auch einfach einmal abgesehen von dem medizinischen Effekt.

Dass die Studien gegenteilige Ergebnisse erzielen, lässt die Debatte offen stehen. Damit bleibt vorerst keine andere Wahl, als dem Arzt zu vertrauen und gegebenenfalls darauf hinzuweisen, dass man eine Verschreibung von Placebos nicht wünscht. Aber auch da bleibt die Entscheidung letzten Endes dem Arzt überlassen.
Quelle: FAZ: Placebos in der Medizin